Sikhi für Kinder: Die Hochzeitszeremonie – Anand Karaj

Mit der Hochzeit beschließen Mann und Frau in der Sikhi, gemeinsam den spirituellen Lebensweg der Weisheit zu leben.
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Die Heirat bei den Sikhs

Sikhs nennen ihre Hochzeit „Handlung der Glückseligkeit", Anand Karaj. Alle Gäste freuen sich darüber, dass das Hochzeitspaar von nun an gemeinsam den Weg der Weisheit leben möchte. In den überlieferten Weisheiten der Sikhi, die im „Guru Granth Sahib" überliefert sind, wird ein Paar als eine Seele in zwei Körpern beschrieben. Damit ist gemeint, dass Mann und Frau ihr jeweiliges göttliches Licht in die Partnerschaft einbringen. Beide sind einzigartige und unabhängige Wesen und doch eng miteinander verbunden.

Die Zeremonie für die Heirat findet dort statt, wo der „Guru Granth Sahib" würdevoll aufbewahrt wird. Das kann zu Hause sein, bei Verwandten, Freunden oder in einer Gemeinde. Wichtig ist die Stimmung: ruhig, liebevoll und herzlich. Am Tag der Hochzeit kleiden sich Familienmitglieder und Freunde in schlichter Schönheit. Alle sitzen im Schneidersitz auf dem Boden vor dem „Guru Granth Sahib", während Weisheiten in Begleitung von Instrumenten gesungen werden.

Zu Beginn der Zeremonie nimmt zumeist der Vater der Braut ein Ende eines langen Tuches, das der Bräutigam bei sich trägt, und legt es in die Hand seiner Tochter. Das Tuch steht für die Verbindung zwischen dem Göttlichen, dem Bräutigam und der Braut. Der Bräutigam trägt außerdem ein Schwert bei sich. Es steht für Weisheit, Mut und Gerechtigkeit. Das Schwert erinnert Sikhs daran, dass es im Leben wichtig ist zu wissen, was für einen selbst und die Gemeinschaft gut ist und was nicht und dafür einzustehen.

Die vier Verse und Stufen des Lebens

Nun beginnt das Herzstück der Zeremonie mit vier Versen, den Lavan. Ein weiser Sikh, idealerweise dem Paar nahestehender Freund oder Verwandter, leitet die Zeremonie und singt die Verse langsam und liebevoll. Die Verse sprechen vom Weg der Seele, die im Laufe vieler Leben vier Stufen durchläuft: die Stufe der Weisheit, der Liebe, des Vertrauens in das Göttliche und der Erleuchtung. Bei jedem der vier Verse umschreitet das Paar langsam den „Guru Granth Sahib". Der Bräutigam geht voran, die Braut folgt ihm. Beide sind durch das Tuch verbunden. Nach den vier Umrundungen erinnert der weise Sikh daran: Alle Dinge und Beziehungen im Leben sind vergänglich, nur das Göttliche ist ewig. Zudem gibt er dem Paar Tipps für ein gutes Leben. Nach einem Abschlussgebet ist die Zeremonie beendet.

Leckeres und gesundes Essen zum Abschluss der Hochzeit

Vor dem Essen danken die Anwesenden mit Liebe dem Göttlichen für alle Gaben des Lebens. Dann bekommen alle Parshad, eine traditionelle Süßspeise. Danach folgt das eigentliche Essen. Es ist idealerweise frisch zubereitet, gesund und sehr lecker.

Nach dem gemeinsamen Mahl sind die Familie und die Gäste ausgelassen zusammen und feiern. Je nach Vorliebe wird in separaten Räumlichkeiten getanzt oder auch traditionelle Verteidigungskunst aufgeführt.

AUFGABEN

  1. Wie läuft die Heiratszeremonie bei Sikhs ab? Was gefällt dir dabei besonders gut und warum?

  2. Was ist damit gemeint, dass Mann und Frau als Paar miteinander eng verbunden sind und trotzdem beide ihre Einzigartig bewahren?

  3. Warum erinnert die Hochzeitszeremonie der Sikhi das Paar daran, dass nichts im Leben für immer bleibt?

  4. Wie können sich Mann und Frau im Alltag als Paar gegenseitig helfen und unterstützen?

  5. Kennst du ein Paar, dass du besonders toll findest? Wenn ja, was findest du bei ihnen besonders schön?

Khushwant Singh

arbeitet in der Internationalen Zusammenarbeit. Er hat Ethnologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Heidelberg (Magister) sowie Sozialanthropologie am Goldsmiths College der University of London (Master of Research) studiert und jeweils mit Auszeichnung abgeschlossen. Er engagiert sich ehrenamtlich im interreligiösen Dialog und ist Gründungsmitglied und ehemaliger Vorsitzender des Rates der Religionen Frankfurt. Singh kooperiert u.a. mit der Stiftung Weltethos, Religionen Entdecken, dem Bundeskongress der Räte der Religionen, dem Abrahamischen Forum (Religionsgespräche), dem Arbeitskreis Religionen und Naturschutz und der Stiftung gegen Rassismus. Ausgehend von Gurmat, zeitlosen Weisheiten, die im Zentrum der Sikhi stehen, widmet sich Singh der Jugendarbeit sowie der generationenübergreifenden Herzensbildung. Er publiziert auf Deutsch und Englisch zu den Themen Ethik, Spiritualität, Verhaltensänderung, Nachhaltigkeit und globalen Herausforderungen der Menschheit. Singh spricht auf Konferenzen, an Universitäten und Schulen und produziert den WisdomTalk Podcast “Leben mit Weisheit Living with Wisdom”.

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